Das
Begriffspaar Norden und Süden
ist zunächst ein geographisches.
Der Süden bezeichnet einen
Kontrapunkt zum Landschaftstyp
des Nordens, den Bereich des Mediterranen,
wie man ihn vor allem aus Italien
und Südfrankreich kennt. Italienische
und südfranzösische Veduten
bilden einen landschaftsmorphologischen,
atmosphärischen und kulturellen
Kontrast zu denen des Nordens.
Sie sind vielfältiger, bieten
auch im Landesinneren weitere Horizonte
und das vielgelobte südliche
Sfumato.
Obwohl
heute die Reise über
die Alpen weder Pflicht noch besondere
Neigung der meisten Maler ist,
bleibt doch die Verbindung von
Natur und Kunst, von freiem Wachstum
und formender Gestaltung in diesem
klassischen Land der Kunst einzigartig.
Wie zwei Loggien mit Gemälde
in einem symmetrisch gestalteten
Renaissance¬gartens, wie ein
Brunnen als künstlerisch gebändigter
Quellfluss in der Villa Lante (Nr.
31, 52). Auch das klassische Altertum
ist präsent. Somit bieten
sich für den realistisch orientierten
Maler vielfältige Herausforderungen
und reichhaltige Motive. Der ästhetische
Reiz muss nicht gesucht werden.
Die „Südliche Ideallandschaft“ (Nr.
99) zeigt einiges, was für
mich den Reiz der ‚Landschaften
des Südens’ ausmacht.
Malerisch
anregend sind auch die „südlichen“ Städte.
Ihre Lage auf Anhöhen, historisch
meist durch bessere Verteidigungsmöglichkeiten
bedingt, erlaubt sie von Weitem
als gestaltete Ensembles in den
Blick zu nehmen, und sich im Inneren
durch Plätze, Winkel, Gassen,
Brücken, Treppen etc. nicht
nur als zweckhafte Anlagen für
Bewegung und Kommunikation befreien,
sondern auch als ästhetische
Erscheinungen gefangen nehmen zu
lassen.
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